Ein Abend mit Lisbeth Bischoff im Amalthea Verlag

Ein Rückblick auf den Vortrag von Lisbeth Bischoff am 20. Mai 2026 in den Räumlichkeiten des Amalthea Verlags.
(Photos: © Wolfgang Geißler und Wolfgang Buchta)

Von Wolfgang Geißler

Die Österreichisch-Britische Gesellschaft lud gemeinsam mit dem Amalthea Verlag am 20. Mai 2026 zu einem ebenso unterhaltsamen wie informativen Abend in die Räumlichkeiten des Amalthea Verlages am Wiener Heumarkt ein. Im Mittelpunkt stand die Präsentation des neuen Buches der renommierten Gesellschaftsjournalistin und Adelsexpertin Lisbeth Bischoff: „König Charles – kein Mann der 2. Reihe“.

Schon der Ort gab dem Abend einen besonderen Rahmen. Die ehrwürdigen, reich ausgestatteten Räume des Amalthea Verlages mit ihren dunklen Holzvertäfelungen, Spiegeln, Lüstern und historischen Details wirkten an diesem Abend fast wie eine kleine Bühne für ein Thema, das von Krone, Tradition, Inszenierung und Geschichte handelte. Selten fügt sich ein Veranstaltungsort so selbstverständlich in den Inhalt eines Abends ein.

Unter den Gästen befanden sich zahlreiche Mitglieder und Freunde der Österreichisch-Britischen Gesellschaft. Begrüßt wurden sie von ABS-Präsident Prof. Dr. Kurt Tiroch, der den Abend mit einer persönlichen und humorvollen Einführung eröffnete. Die Moderation übernahm anschließend Verlagsleiter Dr. Rainer Höltschl, der gemeinsam mit Lisbeth Bischoff durch den Abend führte.

Aktueller Nachtrag: Eine beinahe royale Panne

Kaum hatte sich die Österreichisch-Britische Gesellschaft bei Lisbeth Bischoff mit König Charles III. befasst, lieferte die Realität bereits eine weitere Anekdote, die fast zu gut in den Abend gepasst hätte. Ein britischer Radiosender meldete irrtümlich den Tod des Königs – ausgelöst, wie es hieß, durch einen Computerfehler im sogenannten „Monarch“-Protokoll, jenem Notfallablauf, den britische Sender für den Ernstfall bereithalten, aber hoffentlich möglichst lange nicht verwenden müssen.

Radio Caroline entschuldigte sich umgehend beim König und bei den Zuhörerinnen und Zuhörern. Der kleine Schrecken hatte immerhin den Vorteil, dass Seine Majestät die Meldung selbst widerlegen konnte: König Charles befand sich zu diesem Zeitpunkt keineswegs im Jenseits, sondern sehr lebendig auf Besuch in Nordirland.

Man darf annehmen, dass der König diese etwas voreilige Nachricht mit jener trockenen Gelassenheit aufgenommen hätte, die Prof. Dr. Kurt Tiroch gleich zu Beginn des Abends so treffend beschrieben hatte. Und vielleicht hätte Charles, ganz im Geist britischen Humors, nur leise bemerkt: „Not yet.“

Eine persönliche Begegnung mit dem damaligen Prinzen Charles

Prof. Dr. Kurt Tiroch eröffnete den Abend mit einer sehr persönlichen Erinnerung an seine Begegnung mit dem damaligen Prinzen Charles während dessen Wien-Besuches im Jahr 2017. In humorvoller Weise erinnerte er auch an eine kleine protokollarische Wiener Episode rund um den Dresscode „Black Tie“. Selbst im Umfeld der damals noch jungen Präsidentschaftskanzlei wurde dieser offenbar nicht ganz im klassischen britischen Sinn verstanden: Statt Smoking erschien Bundespräsident Alexander Van der Bellen in dunklem Anzug mit schwarzer Krawatte. Tiroch erzählte diese Szene als amüsantes Beispiel dafür, wie unterschiedlich britische und österreichische Formenwelt bisweilen gelesen werden können.

Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand jedoch seine Begegnung mit Prinz Charles selbst. Tiroch erzählte von dem inzwischen traditionellen „Prinz-George-Wein“, einem speziellen Cuvée, das jedes Jahr zu Ehren von Prinz George produziert werde. Von jedem Jahrgang würden mehrere Flaschen eingelagert, um sie eines Tages gemeinsam mit Prinz George verkosten zu können.

Bei seiner Begegnung mit Charles habe er diesem erklärt, dass Prinz George zu dessen 18. Geburtstag eingeladen werde, um die verschiedenen Jahrgänge des Weines in seinem privaten Weinkeller zu probieren. Charles habe darauf mit trockenem britischem Humor geantwortet: „Don’t leave me out.“

Seit damals, so berichtete Tiroch trocken, erhalte König Charles jedes Jahr eine Magnumflasche des Weines sowie einen Brief. Ebenso regelmäßig treffe eine Antwort aus dem königlichen Haushalt ein – stets mit dem Satz:

„The King has already pencilled it in in his diary. “

Damit war der Ton des Abends gesetzt: kenntnisreich, persönlich und mit jenem trockenen britischen Humor, der auch später immer wieder aufblitzte.

Begrüßung durch den Amalthea Verlag

Anschließend begrüßte Dr. Rainer Höltschl die Gäste im Namen des Amalthea Verlages. Er würdigte Lisbeth Bischoff als eine der bekanntesten österreichischen Adelsexpertinnen, die über Jahrzehnte hinweg beim ORF tätig war und insbesondere durch ihre Live-Kommentierungen von Adelshochzeiten, Krönungen und gesellschaftlichen Großereignissen bekannt wurde.

Höltschl verwies außerdem auf eine bemerkenswerte historische Parallele: Sowohl das Haus Windsor als auch der Amalthea Verlag seien im Jahr 1917 gegründet worden. Während sich das britische Königshaus damals im Ersten Weltkrieg bewusst von seinen deutschen Wurzeln distanzierte und den Namen Windsor annahm, entstand gleichzeitig der Amalthea Verlag in Wien.

Höltschl griff dabei auch den Namen des Verlages selbst auf. In der griechischen Mythologie ist Amalthea jene Nymphe – oder Ziege –, die den jungen Zeus nährt und schützt, während Kronos seine Kinder verschlingt, um den eigenen Sturz zu verhindern. Man könne diese Geschichte, so Höltschl, auch als Bild eines neuen Königtums verstehen: eines Herrschaftswechsels, bei dem eine alte Ordnung durch eine neue abgelöst wird. In einem Abend über das Haus Windsor, das 1917 selbst aus einer historischen Zäsur hervorging, erhielt diese mythologische Anspielung einen besonders reizvollen Klang.

Höltschl erinnerte außerdem an die langjährige Verbindung des Verlages mit prominenten Autoren wie Georg Markus oder Daniela Spera und erwähnte in diesem Zusammenhang ebenfalls frühere Begegnungen österreichischer Persönlichkeiten mit Prinz Charles.

Für musikalische Atmosphäre sorgte im Hintergrund „The King’s Music Room“, jene öffentlich zugängliche Playlist von König Charles III., in der der Monarch persönliche Lieblingsmusik aus den Staaten des Commonwealth präsentiert.

Charles III.: Der lange Weg zur Krone

Im Zentrum des Abends stand das ausführliche Gespräch zwischen Dr. Rainer Höltschl und Lisbeth Bischoff.

Bereits zu Beginn wurde auf den ungewöhnlichen Umstand hingewiesen, dass Charles erst im Alter von 74 Jahren den Thron bestieg – älter als jeder britische Monarch vor ihm bei seiner Krönung. Dies bilde einen wesentlichen Ausgangspunkt ihres Buches.

Bischoff zeichnete dabei ein differenziertes Bild des heutigen Königs und widersprach mehrfach dem lange gepflegten Klischee des ewigen „Mannes der zweiten Reihe“.

Die schwierige Kindheit des späteren Königs

Besonders eindrucksvoll schilderte Lisbeth Bischoff die komplizierten familiären Beziehungen innerhalb der königlichen Familie.

Das Verhältnis zwischen Charles und seiner Mutter, Queen Elizabeth II., beschrieb sie als kühl und distanziert. Charles selbst habe später erklärt, sich kaum an Zeichen mütterlicher Zuneigung erinnern zu können. Während seiner frühen Kindheit hätten sich Queen Elizabeth und Prinz Philip häufig auf Malta aufgehalten, während die Kinder im Buckingham Palace zurückblieben.

Prinz Philip wiederum habe eine ausgesprochen harte Erziehung vertreten. Charles sei gegen seinen Willen in das strenge Internat Gordonstoun geschickt worden. Dort habe er unter dem rauen Klima und den harten Bedingungen gelitten. Briefe an seine Eltern, in denen er über Mobbing und die schwierigen Lebensumstände klagte, hätten kaum Verständnis gefunden.

Umso enger sei hingegen seine Beziehung zur Queen Mother gewesen. Diese sei für Charles eine emotionale Stütze und gewissermaßen „der Fels in der Brandung“ gewesen.

Charles als moderner Monarch

Im weiteren Verlauf des Gesprächs beschäftigte sich Lisbeth Bischoff mit der Frage, wie sich Charles als König von seiner Mutter unterscheidet.

Queen Elizabeth II. sei eine Meisterin darin gewesen, Skandale kleinzuhalten oder gar nicht öffentlich werden zu lassen. Charles hingegen gehe offener mit Krisen um. Als Beispiel nannte Bischoff den Skandal um Prinz Andrew und dessen Verbindungen zu Jeffrey Epstein. Während die Queen nach Bischoffs Einschätzung ihren Lieblingssohn lange geschützt habe, habe Charles deutlich gemacht, dass „das Recht seinen Lauf nehmen müsse“.

Besonders beeindruckt zeigte sich Bischoff von Charles’ diplomatischem Geschick. Ausführlich sprach sie über seine vielbeachtete Rede vor dem US-Kongress im April 2026. Diese habe Charles – wie sie nach Recherchen im Buckingham Palace erfahren habe – selbst verfasst.

Mit feinem Humor, präzise gesetzten Pausen und subtilen politischen Botschaften habe der König dort eine bemerkenswerte Rede gehalten. Besonders hob Bischoff jene diplomatische Pointe hervor, mit der Charles auf Donald Trumps bekannte Bemerkung reagierte, ohne amerikanische Hilfe würden die Briten heute Deutsch sprechen: Ohne britische Hilfe, so ließ Charles durchblicken, würden die Amerikaner heute wohl Französisch sprechen. Auch der an Oscar Wilde erinnernde Hinweis, Großbritannien und die USA hätten „heutzutage fast alles gemeinsam – außer natürlich die Sprache“, passte in diese Linie. Es war genau jene Art von feinem, historisch grundiertem Humor, bei dem die Spitze höflich verpackt bleibt – und gerade dadurch umso besser trifft.

Bischoff betonte mehrfach, wie sehr Charles inzwischen in die Rolle des Monarchen hineingewachsen sei.

William, Harry und Meghan

Breiten Raum nahm auch die Entwicklung innerhalb der jüngeren Generation des Königshauses ein.

Lisbeth Bischoff schilderte, wie eng Prinz William und Prinz Harry nach dem Tod ihrer Mutter Diana verbunden gewesen seien. Der gemeinsame Schmerz habe die beiden Brüder zusammengeschweißt.

Die Beziehung habe sich jedoch mit Harrys Beziehung zu Meghan Markle zunehmend verschlechtert. Anfangs habe die königliche Familie gehofft, Meghan könne insbesondere im Commonwealth eine wichtige Rolle spielen.

Doch Meghan habe sich nur schwer mit den strengen royalen Protokollen arrangieren können. Bischoff erinnerte etwa an Diskussionen über Kleidungsvorschriften, das Tragen von Strümpfen oder die berühmte Balkon-Szene bei „Trooping the Colour“, bei der Meghan sichtbar unzufrieden über ihre Positionierung in der „zweiten Reihe“ gewirkt habe.

Als entscheidenden Wendepunkt bezeichnete Bischoff die Geburt des ersten Kindes von Harry und Meghan. Dass die Geburt zunächst geheim gehalten worden sei und erst Stunden später bekanntgegeben wurde, habe die britische Boulevardpresse nachhaltig gegen Meghan aufgebracht.

Camilla – vom Feindbild zur anerkannten Königin

Besonders differenziert sprach Lisbeth Bischoff über Queen Camilla.

Sie räumte offen ein, dass auch sie selbst früher ein negatives Bild von Camilla gehabt habe, das stark von der öffentlichen Darstellung während der Ehekrise zwischen Charles und Diana geprägt gewesen sei.

Bei persönlichen Begegnungen habe sie Camilla jedoch als humorvolle, intelligente und äußerst angenehme Persönlichkeit erlebt. Zwischen Charles und Camilla sei eine echte emotionale Verbundenheit spürbar.

Die ursprüngliche Tragik ihrer Beziehung habe darin bestanden, dass Camilla aufgrund der damaligen gesellschaftlichen Erwartungen nicht als geeignete Braut für den Thronfolger galt. Nach den damaligen Vorstellungen sollte die Ehefrau des zukünftigen Königs möglichst „untadelig“ und unerfahren sein.

Diana sei daher letztlich als passende Kandidatin ausgewählt worden.

Erinnerungen an Diana

Auch Prinzessin Diana spielte naturgemäß eine große Rolle im Gespräch.

Bischoff erinnerte an den Wien-Besuch von Charles und Diana im Jahr 1981, bei dem deutlich geworden sei, wie sehr Diana die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zog. Während die Menschenmengen „Diana, Diana!“ gerufen hätten, habe Charles sichtbar unter ihrer enormen Popularität gelitten.

Lisbeth Bischoff schilderte außerdem ihre persönlichen Erfahrungen rund um Dianas Aufenthalte am Arlberg, wo die Prinzessin regelmäßig von internationalen Paparazzi verfolgt worden sei.

Besonders eindrucksvoll war eine von ihr erzählte Episode über einen Fotografen, der stundenlang auf das „perfekte Diana-Foto“ gewartet habe – nur um am Ende festzustellen, dass seine Kamera lediglich den Dachboden fotografiert hatte.

Kuriositäten aus dem royalen Alltag

Mit großem Vergnügen lauschten die Gäste auch den zahlreichen Anekdoten über die Eigenheiten des britischen Hofes.

So schilderte Bischoff unter anderem Charles’ legendäre Morgenrituale. Laut Aussagen ehemaliger Bediensteter müsse etwa der Badewannenstöpsel exakt ausgerichtet sein. Zudem würden ihm täglich sieben weichgekochte Eier serviert, von denen er anschließend eines auswähle.

Auch die berühmten gebügelten Schuhbänder fanden Erwähnung.

Darüber hinaus erklärte Bischoff einige Besonderheiten des königlichen Protokolls:

Der Monarch benötigt keinen Reisepass.

Er besitzt keine Hausschlüssel.

Royals dürfen nicht zuerst angesprochen werden.

Körperkontakt mit Mitgliedern der königlichen Familie gilt grundsätzlich als unzulässig.

Auch bei den verschiedenen europäischen Königshäusern und deren jeweiligem Hofzeremoniell zeigte sich, wie unterschiedlich Nähe, Würde und Strenge gelebt werden. Während die skandinavischen Monarchien vergleichsweise locker und modern wirken, gelten insbesondere das britische und das spanische Hofprotokoll weiterhin als ausgesprochen streng.

Diskussion und Publikumsfragen

Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Fragerunde.

Ein Gast fragte nach der historischen Genauigkeit der Netflix-Serie The Crown. Lisbeth Bischoff stellte klar, dass die Serie zwar hervorragend unterhalte, jedoch keinesfalls als historische Dokumentation verstanden werden dürfe. Viele Szenen seien dramatisiert oder frei erfunden.

Weitere Fragen beschäftigten sich mit der Popularität König Charles’ in Großbritannien sowie mit der Zukunft der Monarchie.

Bischoff erläuterte, dass die britische Krone traditionell „mit kalter Hand“ weitergegeben werde – also erst mit dem Tod des regierenden Monarchen. Eine freiwillige Abdankung wie in anderen europäischen Monarchien sei im Vereinigten Königreich äußerst unwahrscheinlich.

Auch die Zukunft von Prinz George wurde angesprochen. Dabei ging es insbesondere um die Frage, ob der junge Prinz – wie Generationen vor ihm – das traditionsreiche Eton College besuchen werde. Hinweise darauf gebe es bereits.

Mit humorvollen Bemerkungen über königliche Toilettenpausen, Staatsbankette und die strengen Regeln bei offiziellen Diners endete schließlich die Fragerunde.

Ausklang bei Wein, Gesprächen und köstlichen Häppchen

Zum Abschluss des Abends lud der Amalthea Verlag gemeinsam mit der Österreichisch-Britischen Gesellschaft zu Wein und einem liebevoll angerichteten Buffet ein. Dabei wäre es fast ungerecht, lediglich von „Brötchen“ zu sprechen: Auf silbernen Platten warteten feine Sandwiches, kleine pikante Gebäckstücke, appetitlich garnierte Häppchen und liebevoll vorbereitete Canapés, die dem Abend auch kulinarisch einen sehr angenehmen Rahmen gaben.

Die Gäste konnten Weine des burgenländischen Winzers Willi Opitz verkosten und den Abend in entspannter Atmosphäre bei zahlreichen Gesprächen ausklingen lassen. Gerade diese Verbindung aus Buchpräsentation, persönlichem Austausch, gutem Wein und gepflegten kleinen Köstlichkeiten verlieh dem Abend jene heitere Geselligkeit, die Veranstaltungen der Österreichisch-Britischen Gesellschaft immer wieder auszeichnet.

Die Veranstaltung erwies sich als gelungene Mischung aus fundierter Analyse, persönlicher Erfahrung, humorvollen Anekdoten und faszinierenden Einblicken in die Welt der britischen Monarchie.

Lisbeth Bischoff gelang es dabei eindrucksvoll, König Charles III. nicht nur als Monarchen, sondern auch als Menschen sichtbar zu machen – mit all seinen Stärken, Widersprüchen und Herausforderungen.

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