Fünf Sekte aus Jeruzalem, serviert im Café Ministerium – und die Geschichte einer Idee mit bemerkenswerter Gärzeit

Ein literarischer Rückblick auf die Sekt Verkostung mit DDr. Peter Weigl, Weingut Krainz, am 12.03.2026 im Café Ministerium. (Fotos: © Wolfgang Geißler)

Von Wolfgang Geißler

Am Donnerstagabend, dem 12. März, stand im Café Ministerium alles im Zeichen feiner Perlen. Die Österreichisch-Britische Gesellschaft hatte zu einer Verkostung von fünf Sekten aus dem Weingut von DDr. Peter Weigl in Jeruzalem/Ljutomer eingeladen.

Die Tische füllten sich rasch, Gläser wurden gerückt, und im Raum lag bereits jene heitere Erwartung, die gute Verkostungen meist begleiten.

Den Auftakt des Abends übernahm der Präsident der Gesellschaft, Prof. Dr. Kurt Tiroch, der die Gäste herzlich begrüßte und gleich zu Beginn eine kleine Klarstellung vornahm.

Eine Verkostung, so erklärte er gleich zu Beginn, sei etwas anderes als bloßes Trinken – auch wenn sich beides durchaus miteinander verbinden lasse. Der Unterschied liege in der Aufmerksamkeit: Man probiere bewusst, achte auf Aroma, Struktur und Herkunft. Dass dies in angenehmer Gesellschaft geschieht, sei freilich kein Nachteil.

Anschließend stellte Prof. Tiroch den Gast des Abends vor: DDr. Peter Weigl, Wiener Neurologe, Ethnologe und seit vielen Jahren Firmenmitglied der Österreichisch-Britischen Gesellschaft. Neben seiner medizinischen Tätigkeit widmet sich Weigl dem Wiederaufbau seines Familienweingutes im slowenischen Weinbaugebiet Jeruzalem/Ljutomer.

Bevor jedoch die ersten Gläser eingeschenkt wurden, erinnerte Prof. Dr. Tiroch an eine kleine Begebenheit aus den frühen Jahren seiner Besuche auf dem Weingut.

Eine Bemerkung, so unscheinbar sie damals auch gewesen sein mochte, sollte sich später als überraschend folgenreich erweisen.

Bei einem Besuch auf dem Weingut vor rund zwanzig Jahren, erinnerte er sich, sei seine Frau Bernadette nach der Verkostung der verschiedenen Weine mit einer einfachen Frage an den Winzer herangetreten:

„Hast du eigentlich auch Sekt?“

Damals musste Weigl noch verneinen. Doch der Gedanke blieb offenbar hängen. Einige Zeit später entstand der erste eigene Sekt – und erhielt den Namen Cuvée Bernadette, der bis heute auf den Flaschen steht.

Mit dieser kleinen Geschichte war der Ton des Abends bereits gesetzt.

Die Geschichte des Weingutes selbst reicht weit zurück. Vor dem Ersten Weltkrieg gehörten die Weinberge zur österreichischen Untersteiermark und waren im Besitz der Familie Weigl. Nach 1945 wurde der Besitz im damals jugoslawischen Gebiet von den kommunistischen Behörden enteignet, und lange schien eine Rückkehr unmöglich. Erst nach den politischen Veränderungen in Slowenien eröffnete sich die Möglichkeit, zumindest Teile des ursprünglichen Besitzes wieder zu erwerben. Seit 2002 baut Weigl das Gut Schritt für Schritt wieder auf. Heute umfasst es rund 24 Hektar Weinberge, größtenteils ehemalige Familienparzellen, die er nach und nach von Verwandten übernommen hat.

Der Abend begann mit einem leichten Einstieg: einem Frizzante Rosé. Anders als klassischer Sekt entsteht Frizzante nicht durch eine zweite Gärung in der Flasche; die Kohlensäure wird dem Wein zugesetzt. Das Ergebnis ist ein perlender, unkomplizierter Wein mit vergleichsweise niedrigem Alkoholgehalt – in diesem Fall rund zehn Prozent – und einer frischen, fruchtigen Note. Die Basis bildet Pinot Noir, und genau derselbe Grundwein sollte später noch einmal in anderer Form auftauchen.

Zwischen den einzelnen Verkostungsrunden sorgte das Café Ministerium für die passende kulinarische Begleitung. Zunächst wurde eine feine Kürbiscremesuppe gereicht, bevor nach und nach elegante Canapés serviert wurden: kleine, sorgfältig belegte Sandwiches mit Beinschinken, Salami, verschiedenen Streich- und Hartkäsesorten, Lachs, geräucherter Forelle sowie Roastbeef. Diese delikaten Begleiter erwiesen sich als ebenso willkommen wie passend zu den unterschiedlichen Sekten.

Nach dem ersten Glas ging es mit einem deutlich ernsthafteren Vertreter weiter: einem Rosé-Sekt nach der méthode traditionelle, also der klassischen Flaschengärung. Dabei vergärt der Grundwein ein zweites Mal direkt in der Flasche und entwickelt einen Druck von rund sechs Bar. Mindestens drei Bar sind erforderlich, damit sich ein Wein überhaupt „Sekt“ nennen darf.

Die Sekte aus dem Weingut Weigl reifen zudem mindestens drei Jahre auf der Hefe – ein Verfahren, das Zeit, Geduld und Lagerraum verlangt, dem Wein aber zusätzliche Tiefe verleiht. Beim anschließenden Degorgieren wird der Hefesatz entfernt; üblicherweise wird der Wein danach mit einer sogenannten Dosage ergänzt. Weigl geht hier jedoch einen eigenen Weg: Seine Sekte sind meist Zero Dosage, also ohne zugesetzten Zucker.

Der Name dieses Rosé-Sektes – Kleinoscheg – ist ebenfalls kein Zufall. Er erinnert an eine historische steirische Sektmanufaktur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Der dritte Sekt des Abends führte die Gäste zu einer weniger bekannten, aber traditionsreichen Rebsorte: Furmint, in Slowenien Šipon genannt, in Österreich früher auch „Gelber Mosler“. Diese pannonische Sorte reift spät und zeichnet sich durch frische Säure und eine leicht apfelige Aromatik aus.

Darauf folgte ein Sekt aus Gelbem Muskateller, ebenfalls eine klassische Sorte aus dem pannonischen Raum. Trotz seines aromatischen Charakters präsentierte sich dieser Sekt erstaunlich trocken – ein Extra Brut mit nur minimalem Restzucker.

Schließlich kam der Moment, auf den man bereits mehrfach hingewiesen worden war: die Cuvée Bernadette, das ursprüngliche Herzstück der Sektproduktion.

Dieser Sekt ist eine Cuvée aus mehreren Rebsorten – Šipon, Chardonnay, Pinot Gris und einem Anteil Traminer. Gerade der Traminer sorgt für eine feine, natürliche Süße und eine besondere Trinkigkeit, obwohl auch hier kein Zucker zugesetzt wird.

Ein kurzer Blick zurück

An dieser Stelle drängte sich bei manchen Teilnehmern eine kleine Erinnerung auf. Denn für viele Mitglieder der Gesellschaft war dies nicht die erste Begegnung mit dem Weingut und seinem Winzer.

Bereits am 23. Februar 2018, also vor mehr als acht Jahren – Kinder, wie die Zeit vergeht! – hatte die Österreichisch-Britische Gesellschaft zu einer Weinverkostung desselben Weingutes im Café Ministerium eingeladen.

In jenem Bericht wurde die Region Ljutomer – das historische Luttenberg der alten Untersteiermark – mit den Worten der steirischen Landeshymne beschrieben:

„Hoch vom Dachstein an, wo der Aar noch haust,
bis zum Wendenland am Bett der Sav’,
und vom Alptal an, das die Mürz durchbraust,
bis ins Rebenland im Tal der Drav’.

Dieses schöne Land ist der Steirer Land,
ist mein liebes teures Heimatland.“

Ein bisschen frech schrieb ich damals:

Weinverkostungen kann man am besten so beschreiben: Man trinkt qualitativ hochwertigen Wein in einer vom Winzer vorgegebenen Reihenfolge und versucht – nicht selten vergeblich – angesichts der Anzahl der verkosteten Gläser die Erinnerung wachzuhalten, welcher Wein einem nun eigentlich am besten gemundet hat. Immer ein kleines Risiko bei ABS-Veranstaltungen.

Und es war bei dieser Gelegenheit, dass die bereits erwähnte Bemerkung von Bernadette fiel: Sie ziehe Sekt dem Wein vor.

Der Winzer nahm diese Bemerkung ernst – vielleicht ernster, als ursprünglich beabsichtigt. Das Ergebnis war der Winzersekt „Bernadette“, der inzwischen eine kleine Erfolgsgeschichte geschrieben hat.

Nach dem letzten Glas löste sich der formelle Teil des Abends rasch in lebhafte Gespräche auf. Fragen zur Herstellung wurden gestellt, Flaschen begutachtet und Bestelllisten studiert. Wer wollte, konnte gleich vor Ort einige Kartons ordern – Lieferung im Raum Wien sei kein Problem, wie versichert wurde.

So klang ein Abend aus, der weit mehr war als eine bloße Verkostung: eine Mischung aus Familiengeschichte, Weinbaukunde, kleinen Anekdoten, kulinarischen Begleitern – und nicht zuletzt fünf sehr unterschiedlichen Schaumweinen.

Und vielleicht ließ sich daraus auch eine kleine Erkenntnis mitnehmen.

Vor rund zwanzig Jahren genügte auf einem Weingut in Jeruzalem eine beiläufige Bemerkung:

„Hast du eigentlich auch Sekt?“

Vor acht Jahre hörten wir diese Geschichte erstmals bei einer Weinverkostung im Café Ministerium.

Und nun saßen wir wieder hier – diesmal bei einer ganzen Sektverkostung.

Manchmal haben Ideen eben eine erstaunlich lange Gärzeit.

Prost.

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